Mach.Platz
Architekturprojekt über die Neugestaltung des Franz-Jonas-Platzes

 

Jährlich veranstaltet die Architekturstiftung Österreich Gemeinnützige Privatstiftung einen Wettbewerb zur Architekturvermittlung an Schulen, um die besten Einreichungen mit einem guten Budget für die Realisierung eines Projekts zu belohnen. Im Schuljahr 2015/16 hat das Projekt Mach.Platz der Klassen 6C und 4G es geschafft und konnte mit Unterstützung vieler Experten von außen durchgeführt werden.
SchülerInnen beider Klassen beschäftigten sich über mehrere Monate unter der Leitung von Architekt Chieh-shu Tzou mit dem sehr bekannten Platz in unmittelbarer Nähe der Schule.

Durch Anregungen der Mitarbeiter der Gebietsbetreeung Stadterneuerung GB*21 analysierten sie Probleme, schlüpften in die Rolle von Städteplanern und Freiraumgestaltern und planten neue Szenarien und Konzepte für den Bahnhofsvorplatz.

Der Franz-Jonas-Platz ist der Eingang zu Florisdorf und somit einer der stärkst frequentierten Plätzen der Stadt. Tausende Bewohner steigen hier in Busse, Straßenbahnen und Züge um, kaufen hier ein oder verweilen kurz. Ist der Platz dem Ansturm dieser Massen noch gewachsen? Mit der Analyse der Problemlagen dieses Platzes in unmittelbarer Schulnähe und Vorschlägen für eine bessere Gestaltung für alle Benutzergruppen beschäftigten sich SchülerInnen im Projekt Mach.Platz.

SchülerInnen der 4G und 6C begannen bei einer Vor-Ort.Begehungen damit, den Franz-Jonas-Platz aus den Augen einer bestimmten Benutzergruppe zu betrachten: Als Person auf dem zur Arbeit, als Mutter mit Kind, als alte Person etc.. Dabei fiel vor allem auf, dass der Raum auf dem Platz zu eng ist: Passanten kommen auf dem Weg zur Arbeit nicht schnell genug voran, da vieles verbaut ist oder Querungen nicht möglich sind. Benützer, die verweilen möchten, finden nicht genug Abstand zu anderen, um sich wohl zu fühlen. Saisonale Stände verstellen den Weg und schneiden Bereiche von der Nutzung ab. Auf der anderen Seite existieren große Leerflächen auf dem Platz. Die SchülerInnen in der Rolle der BenützerInnen wünschten sich vor allem mehr Grün, Rückzugszonen mit Cafés, Bereiche für Kinder und die Beseitigung der Unebenheiten des Bodens.
Ein wichtiger Input kam von den MitarbeiterInnen der Gebietsbetreuung/Stadterneuerund GB*21. Sie erklärten viele Zusammenhänge und Details des Platzes und erzählten von den Problemen der NützerInnen, die sich an sie wandten.
In der Folge recherchierten die SchülerInnen in Fachliteratur und im Internet. In kurzen Statements berichteten sie von Anregungen, die sie aus ähnlichen Platz-Gestaltungen gewonnen haben: z.B. interessante Beleuchtungen, Stadtmöbel, das shared-space-Konzept und viele andere Details.
Es folgte ein Besuch im Büro des Architektenduos Tzou-Lubroth, wo den SchülerInnen die Arbeit eines Architekten anhand aktueller Projekte vorgestellt wurde.
In Kleingruppen entwarfen sie erste Skizzen und Zeichnungen: komplexe Szenarien den ganzen Platz betreffend oder die Gestaltung eines konkreten Teils auf dem Areal. Im ständigen Austausch mit dem Architekten wurden daraus maßstabsgetreue Pläne und Modelle. Die SchülerInnen planten vor allem viele Erholungszonen mit Wiesen, Bäumen und Cafés, Attraktionen für Jugendliche und Kinder und neue Geschäftszonen. In vielen ihrer Arbeiten wurde der öffentliche Verkehr der Straßenbahnen in den Untergrund verlegt, um somit Freiraum für die Fußgänger zu ermöglichen.

Eine weiter Aufgabe bestand darin, sich mit Proportionen von Hausfassaden auseinderzusetzen und Gebäude in Frontalansicht zu zeichnen. Eine bestehende Baulücke auf dem Franz-Jonas-Platz wurde als Anregung genommen, mit Zeichnungen eigene Ideen für ein Einkaufszentrum o.ä. umzusetzen. Zur Ideenfindung setzen sich die SchülerInnen mit Beipsielen temporärer oder mobiler Architektur auseinandern.

Abschließen wurde in der Schule mit allen Modellen, Plänen, Skizzen, Zeichnungen und Konzepten eine Ausstellung gestaltet.

Durch die Auseinandersetzungen mit städtebaulicher Raumgestaltung an einer ihnen sehr vertrauten Lokation schärften die SchülerInnen ihre Wahrnehmung, um Bedürfnisse in Bezug auf Raum zu erkennen. Sie lernten ihre Reflexionsprozesse über diesen Platz in konkrete Gestaltungsentwürfe zur Lösung vorhandener Probleme einfließen zu lassen. Und sie erwarben überdies Kenntnis über die gesellschaftsrelevanten Rolle eines Architekten und die Wichtigkeit der Partizipation von Bürgern im städtischen Raum.

Unterstützt durch:
Architekturstiftung Österreich Gemeinnützige Privatstiftung im Rahmen des Wettbewerbs RaumGestalten 2015-16, Architekturvermittlung an Schulen

Beteiligte Personen

SchülerInnen
6C: Muytaba Haidar, Emir Jusufi, David Lawrence, Alexander Pureza, Alexander Rauchwarter, Lena Rauscher, Alina Schachner, Lisa Schachner, Nina Schuller, Sebastian Sycha, Sophie Wolfsberger, Heba Youssef
4G: Elena Augustin, Chiara Dillinger, Merlin Gonschor, Bianca Janjis, Josua Kohlweiss, Nina Macheiner, Samuel Mikula, Daniel Musil, Dino Nalic, Kevin Nemecek, Berat Koca, Thomas Spellitz, Luca Tollardo, Simon Pesendorfer, Xenia Wansch

LehrerInnen
Mag. Hanna Kölpl, MMag. Miriam Boztepe-Rhomberg

Baukulturexpertise
Architekt DI Mag. Chieh-shu Tzou, Tzou Lubroth Architekten, www.tzoulubroth.com

Vortragende
Gebietsbetreuung Stadterneuerung GB*21, Susanne Staller, Stefan Ohmacht, Eva Häfele, www.gbstern.at

Fotos
Mag. Hanna Kölpl